• Facebook
  • Twitter
  • Weiterempfehlen
30. Juni 2010, von Nicole

Von Heidiromantik weit entfernt

Schon lange wollte ich meinen Traum, einmal einen Alpsommer auf einer Alp zu verbringen, in die Realität umsetzen.

Am 5.Juni war dieser Tag nun endlich da und ich konnte mit Familie Ueli und Esther Gfeller und gut 10 Helfern den Alpauftrieb von Schangnau (Kto. Bern) auf die 17 km weit entfernte Alp Tannisboden (Kto. Luzern) miterleben. Vielleicht waren es die Anspannung und vielen Eindrücke, die mich geradezu beflügelt hinaufgetragen haben.

Heute bin ich  4 Wochen auf Tannisboden – das ist noch nicht lange, denn der Grossteil des Alpsommers liegt ja noch vor mir; dennoch konnte ich vom Leben und Arbeiten auf der Alp schon einige ganz wichtige Eindrücke gewinnen.

Die Arbeit ist sehr umfangreich und anstrengend und setzt viel handwerkliches Können, Wissen und Durchhaltevermögen voraus. Wie viele Arbeitsgänge es allein braucht, bis der wertvolle Alpkäse hergestellt ist, hätte ich mir nicht träumen lassen. Wer meint, man könnte in Ruhe eins nach dem anderen erledigen, der irrt, denn vieles muss nebeneinander herlaufen; Das gibt Stress, der sich über den ganzen Tag hinzieht.

Der wichtigste Punkt für mich ist bei der vielen Arbeit eine gute Teamarbeit und dass sich die Menschen gut verstehen. Es lässt sich viel ertragen, wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen stimmen; Wenn nicht, ist ein Scheitern wohl vorprogrammiert und der Alpsommer kaum durchzustehen.

Vor 14 Tagen machte das sehr schlechte und kalte Wetter Mensch und Tier sehr zu schaffen.In der Sennenhütte war es überall, ausser in der guten Stube, kalt und ungemütlich. Abends halfen mit heissem Wasser gefüllte PET-Flaschen, das kalte Bett zu erwärmen. (Wer mit kalten Füssen ins Bett geht, kann bekanntlich nicht einschlafen.) Ist es doch aber gerade der Schlaf den man braucht, um die Siebentagewoche mit einem bis zu 16 Stundentag zu meistern.

Sicherlich werde ich hier bis Ende September mit Höhen und Tiefen noch viele Erfahrungen sammeln können und auch immer wieder an meine Grenzen stossen. Etwas stelle ich aber heute schon fest: … mit Heidiromantik hat das nichts zu tun!!

Nicole (53 Jahre jung) lebt während vier Monaten bei uns auf der Alp. Sie kommt aus Lauchringen, Südschwarzwald am Hochrhein, ist verheiratet und Mutter von 3 erwachsenen Kindern.
  • Facebook
  • Twitter
  • Weiterempfehlen
20. Juni 2010, von Sennerin

Schneefall!!

Gestern, 19. Juni 2010, mussten wir unsere Kühe um 21.30h wegen Schneefall einstallen.

Heute Morgen hat es erneut geschneit und nachmittags regnete es oft ……es ist sehr nass, die Wiesen sind vollgesaugt! Unsere Tiere sind kurz auf der Weide gewesen, bevor der nächste Schneesturm folgte und wir die Kühe in den Stall brachten. Schlechtes Wetter heisst für uns Mehrarbeit im Stall. Jeder Kuhtritt verursacht auf den Alpweiden Schäden und begünstig das Wachstum von Unkraut!!

Testen Sie Ihr Alp-Wissen!

Molke: Hochdeutsche Bezeichnung für Schotte und Sirte; weisslich-gelbliche Flüssigkeit, die nach dem Ausziehen des Käses im Kessi zurückbleibt; enthält die Eiweisse Albumin und Globulin

Käseharfe: Käsereiwerkzeug, mit dem man die Dickete zum Bruch schneidet

Bruch: Wird mittels der Harfe zerschnitten Dickete zu Käsekörnern; Grösse und Behandlungsart des Käse-Korns bestimmen den Wassergehalt und die Teigbeschaffeneheit des Käses

Dickete: Milch, die mittels Zugabe von Lab zur Gerinnung gebracht wird

Brecher: Käserührer   (ein grosser Schwingbesen)

Kaseinmarke: auf der Järbseite des Käses angebrachte oblatenähnliche Plakette aus Kasein, worauf die Herkunft, Alp-Betriebsnummer/QS und das Gütesigel „Alpkäse“ vermerkt ist

Gebsen: Schale/Becken aus Aluminium, mit ca 15-20 Liter Inhaltsvermögen, in der man die frisch gemolkene, abgekühlte Abendmilch zum aufrahmen über Nacht lagert

Quizfrage 1 :

Wie oft muss junger Käse in den ersten Wochen auf der Alp gewendet und geschmiert werden?

A      täglich

B      2-mal wöchentlich

C      nur bei trockenem Wetter

Quizfrage 2 :

Wie viele Liter Milch braucht es, um ein Kilo Alpkäse herzustellen?

A      10 Liter

B      20 Liter

C      30 Liter

  • Facebook
  • Twitter
  • Weiterempfehlen
17. Juni 2010, von Sennerin

Hintergrundinfos

Oft bin ich schon gefragt worden, warum ich eigentlich unter alpgeschichten.ch schreibe und wie ich dazu gekommen bin. Hier meine Erklärungen:

Im Februar 2010 wurde ich von Schweizer Alpkäse* angefragt, ob ich bereit wäre, über meinen Alpsommer 2010 als praktizierende Sennerin zu schreiben, meine Sennhüttentüre zu öffnen und die Konsumenten hinein schauen zu lassen, wie das Leben auf der Alp wirklich ist.

Auch wir Aelpler müssen uns immer wieder den neuzeitlichen  Veränderungen und der modernen Technik anpassen. Wir richten unsere Alp-Betriebe so ein, dass wir unsere Arbeiten, wo immer möglich, speditiv und rationell erledigen können. Viele Sennen müssen neben der Führung des Alpbetriebes noch die Heuarbeiten auf dem Talbetrieb bewältigen, was sehr zeitaufwändig ist und doppelt belastet.

Wie die Siebentagewoche einer Sennerin auf der Alp aussehen kann, werde ich in meinen nächsten Berichten beschreiben, denn nicht jeder Tag besteht aus Freude und eitlem Sonnenschein. Höhen und Tiefen bestimmen auch hier den Alpsommer. Ich erzähle, was alles an handwerklichen Schritten erforderlich ist, bis ein Stück würziger Alpkäse auf dem Teller bereit steht.

Heutzutage hat sogar ein Laptop auf der Alp seinen Platz. Der Zugang zum Internet erfolgt über die Telefonleitung mit analogem Anschluss. Viele Büroarbeiten werden in der Landwirtschaft übers Internet erledigt. Beispielsweise werden die Tierbestände schweizweit über die zentrale Tierverkehrsdatenbank aktualisiert. Tierhalter melden Geburten, Ver- und Ankäufe online.

Mit meinen Beiträgen möchte ich Ihnen das Spannungsfeld zwischen Traditionen und der heutigen modernen Welt näher bringen.

*Schweizer Alpkäse setzt sich für die Vermarktung von Alpkäse ein, betreibt Basiskommunikation und wird über Marketingbeiträge der Alpkäseproduzenten finanziert (siehe auch unter www.schweizeralpkaese.ch).